FraDiv Experimentell

(FraDiv exp)


Mit Hilfe von Mischpflanzungen mit standortgerechten Baumarten wird experimentell getestet, inwieweit die (noch bestehende) Artenvielfalt eschenreicher Waldbestände erhalten oder wiederhergestellt werden kann (Restitution). Dazu wurden Pflanzungen mit folgenden Baumarten durchgeführt:

  • Esche (Fraxinus excelsior)
  • Flatter-Ulme (Ulmus laevis)
  • Winterlinde (Tilia cordata)
  • Spitzahorn (Acer platanoides)
  • Hainbuche (Carpinus betulus)
Karte von Schleswig-Holstein mit Versuchsflächen
Übersicht über die Lage der Versuchsflächen in Schleswig-Holstein (zum Vergrößern draufklicken)

Die Pflanzungen befinden sich in insgesamt 12 Gebieten der Praxispartner Herzoglich Oldenburgische Forstverwaltung (HOV) und Forstbetriebsgemeinschaft Eckernförder Bucht (FEB) , die 2019 mit einer Größe von je 1 bis 2 ha ausgewählt wurden. Die Versuchsflächen finden sich entlang eines Standortgradienten, bei dem die Esche gegenüber anderen Baumarten Konkurrenzvorteile besitzt, wobei jeweils stark und weniger stark degradierte Flächen enthalten sind. Die Gebiete liegen zwischen Gelting und Eutin im östlichen Hügelland von Schleswig-Holstein.


Versuchsdesign und Einrichtung der Plots

Wald in Karlsminde mit Pflöcken im Boden
Ausgepflockter Waldbestand in Karlsminde, August 2019

In jedem der 12 Gebiete wurden jeweils 22 Plots mit einer Fläche von 100 m² in Nord-Süd-Richtung eingemessen und ausgepflockt. Die insgesamt 264 Plots wurden anfangs hinsichtlich der floristischen und pilzlichen Diversität durch die Projektmitarbeiter*innen und dem Team Mykologie inventarisiert. Die 22 Plots innerhalb jedes Gebietes unterscheiden sich in ihren Artenzahlen. Hierbei sind stark degradierte Plots, in denen Brombeer- und Brennnesseln dominieren, i. d. R. ärmer an Gefäßpflanzen-Arten als die weniger stark degradierten Plots.

Die Auspflanzung der Bäume erfolgte im Winter 2019/2020 und wurde als Biodiversitäts-Experiment realisiert: Hierzu wurden jeweils alle Monokulturen, Zwei-Art-Mischungen, Vier-Art-Mischungen sowie die Fünf-Art-Mischung realisiert. Hinzu kommt pro Versuchsfläche ein weiterer Plot zur freien Sukzession. Eine solche Pflanzung als Biodiversitäts-Experiment erlaubt, gezielt die Bedeutung von Artenreichtum unterhalb der Alt-Gehölze für die Diversität anderer Taxa (Pilze und Pflanzen in der Krautschicht) experimentell zu testen: Wir können Mischungseffekte beurteilen – als Diversitätseffekte und als Kompositionseffekte – ebenso wie die Effekte einzelner Baumart-Identitäten. Alle Kombinationen wurden je einmal pro Versuchsfläche in zufälliger Verteilung etabliert und wiederholen sich über die insgesamt 12 Versuchsflächen in Schleswig-Holstein. Durch die Wiederholung der Versuchsflächen lässt sich beurteilen, welche Bedeutung verschiedene Umwelten (z. B. nach hydrologischer Situation, Vorschädigung u. a. m.) sowohl für den Etablierungserfolg der Bäume als auch für die Entwicklung der begleitenden Diversität haben. Die Anzahl der insgesamt gepflanzten Bäume pro Plot beträgt 100 Individuen. Dabei sind die jeweiligen Anteile einer jeden Baumart an einer Mischung gleich groß.


wurzel mit Erde bedeckt und Handschuhe
Auspflanzungen von wurzelnackten Gehölzen
Wurzel mit Erde Bedeckt

Inventarisierung und Pflege der Plots

Die Vermessung der insgesamt 25.200 ausgepflanzten Baum-Individuen erfolgte erstmalig im Anschluss an die Auspflanzungen und wird seitdem jährlich wiederholt. Aufgenommen werden Kenngrößen des Wachstums der Baum-Individuen sowie ihrer Schädigung. Eine Überlebenserfassung aller Individuen im Juni/Juli 2020 zeigte einen hohen Etablierungserfolg der ausgepflanzten Bäume (Überleben: 96 – 99 % der Bäume). Einmal jährlich erfolgt derzeit noch eine standardisierte Pflege aller Plots, bei der alle überstehenden Aufwüchse (v. a. Rubus-Arten) getrimmt werden, um die Etablierung der Bäume im Experiment nicht zu gefährden und auch die Mischungsstufen von anderen auflaufenden Baumarten freizuhalten. Jährliche Wiederholungsaufnahmen der Krautschicht sowie der vorkommenden Pilzarten dienen der Erfassung, inwieweit die assoziierte Diversität mit Hilfe der experimentellen Mischungen im Unterwuchs der zusammenbrechenden Eschenbestände, am besten erhalten werden kann.

Waldboden mit jungen Pflanzen
Eschen-Monokultur, Lindau, Mai 2020
Waldboden mit jungen Pflanzen
Eschen-Monokultur, Lindau, Juli 2021