FraDiv: Forschung und Praxis Hand in Hand

Eine intakte Lebensgemeinschaft macht den Wald stabiler und leistungsfähiger gegen schädliche Umwelteinflüsse.

Wie kann die Artenvielfalt in den vom Eschentriebsterben betroffenen Wäldern erhalten werden? Dazu forscht die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel im Projekt FraDiv zusammen mit Partnerinnen und Partnern aus Forst- und Naturschutzpraxis. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur in Schleswig-Holstein (MEKUN SH).
Gemeinsam mit Praxisbetrieben entwicklet FraDiv waldbauliche Maßnahmen für langfristige Schutz- und Entwicklungsstrategien zur Biodiversitätserhaltung entwickelt.

 

Eschen blattlosen Kronen
Kronenverlichtung

Die Versuchsansätze

Das FraDiv-Team führt verschiedene Versuchsansätze durch, aus denen am Ende des Projektes Handlungsempfehlungen für die Forstwirtschaft und die Naturschutzpraxis abgeleitet werden sollen.

 

In einem ersten Versuchsansatz auf Beobachtungsebene, betrachtet das FraDiv-Team die Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf die Wald-Lebensgemeinschaften. Dabei wird erfasst, wie stark die Eschen an ihren typischen Standorten in Schleswig-Holstein von Schädlingen befallen sind und inwiefern diese Schädigung mit der Artenvielfalt der Bestände zusammenhängt.
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In FraDivexp testet FraDiv mit Hilfe der Mischpflanzungen von Baumarten experimentell, inwieweit die Artenvielfalt eschenreicher Waldbestände erhalten bzw. wiederhergestellt werden kann. Dabei wird die Biodiversity-Ecosystem-Functioning-Forschung mit waldbaulicher Praxis kombiniert. So berücksichtigt das Projekt sowohl die Aspekte der ökologischen Forschung als auch die der praktischen Wiederaufforstung.

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In einem weiteren Versuchsansatz analysiert das FraDiv-Team, welchen Einfluss die Herkunft der Eschenjungpflanzen und die Beschaffenheit ihres Lebensraums auf die Regenerationsfähigkeit von Eschenbeständen haben. Außerdem wird untersucht, inwieweit Pflanzausfälle aufgrund von zu hoher Dichte das Wachstum von jungen Eschen beeinflussen können.
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Gefährdete Vielfalt? eschenreiche Wälder – Hotspots der Artenvielfalt

Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands. Sie bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Pilz- und Pflanzenarten. Insgesamt 29 Pilzarten, für die Deutschland eine globale Erhaltungsverantwortung hat, sind möglicherweise vom Eschentriebsterben betroffen, darunter insbesondere die wichtige Gruppe der "biotroph-endophytisch" lebenden Pilze (CHEGD-Arten). Für das Auge unsichtbar spinnen Pilze ihre Netzwerke im Waldboden und in den Pflanzenwurzeln und tragen so als „Wood Wide Web“ maßgeblich zur Funktionalität von Wäldern bei. Auch einige Pflanzenarten, deren Verbreitungsschwerpunkte unter anderem in eschenreichen Wäldern liegen, sind schon jetzt in der Roten Liste des Landes Schleswig-Holstein als stark gefährdete Arten eingestuft. Die typische Artenzusammensetzung ist jedoch ein Schlüsselfaktor für die Vielfalt und Stabilität von Waldökosystemen.
Im Jahr 2002 wurden in Deutschland erstmals Eschen (Fraxinus excelsior L.) mit verwelkten Trieben, Blattflecken und Verfärbungen der Rinde nachgewiesen. Schleswig-Holstein war als erstes Bundesland vom so genannten Eschentriebsterben betroffen. Dabei handelt es sich um eine Pilzkerkrankung, in deren Verlauf zunächst die Triebe verwelken und daraufhin immer mehr Teile der Baumkrone absterben. Am Stammfuß entstehen schwarze abgestorbene Stellen – die Stammfußnekrosen. In Folge der Erkrankung sterben die meisten Eschen und stürzen um.

Fotos eines Asts einer Esche mit den Fruchtkörpern des Falschen Weißen Eschenstängelbecherchens

Kleiner Schadpilz, große Wirkung

Das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus) ist ein unauffälliger kleiner Pilz, der auf der Blattspindel abgeworfener Eschenblätter zu sehen ist. Gefährlich für den Baum wird der Pilz jedoch in seiner Nebenfruchtform. Seine Pilzfäden wachsen in den Leitgefäßen der Eschen, was zum Absterben der Triebe und zur Schwächung des Baumes führt. Die geschwächten Eschen werden so anfälliger für weitere Schadorganismen. Nur wenige Bäume schaffen es bislang, dem Erreger zu trotzen.